Interview mit Jan Wagner
 

 

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Auf den Frankfurter Lyriktagen 2017 fand die Uraufführung eines Lesungskonzertes statt, auf dem Vertonungen von Carola Bauckholt Ihre Gedichte thematisch umrahmten. Wie kam es zu dieser Kombination?

Jan Wagner

Die Einladung zur Konzertlesung kam von der Stadt Frankfurt, genauer: von Frau Vandenrath, ebenso der Vorschlag, dass Carola Bauckholt und ich zusammenwirken könnten - was sich, aus unserer Sicht, als sehr glücklicher Einfall erwies.

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Inzwischen ist Ihre Gedichtsammlung „Selbstporträt mit Bienenschwarm“ auch als Hörbuch erhältlich. Wird es mehr davon geben? Gemeinsam mit dem ensemble modern zusammen wäre ein Film ein Erlebnis für alle, die das Lesungskonzert verpasst haben.

Jan Wagner

Lyrische Filmprojekte sind  in Zukunft – leider noch – nicht in der Planung. Auch wenn ich vielerorts höre, dass dies ein besonderer Genuss ist, zumal die Gedichte durch die gehörte gewählte Betonung noch besser verständlich sind als beim eigenständigen Lesen.

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Auf vielen Lesungen in diesem Jahr trugen Sie auch immer wieder noch unveröffentlichte Gedichte vor. Wird es noch in diesem Jahr eine neue Publikation geben?

Jan Wagner

Nein, es dauert noch, bis ein neuer Gedichtband von mir erscheinen wird. Sie müssen sich leider noch etwas gedulden.

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Wie schade, denn die meisten noch nicht veröffentlichen Gedichten waren wieder sehr gut und mit Ihrem gewissen Witz gespickt.

Ihr neues Buch „Der verschlossene Raum“, das Sie deutschlandweit in Lesungen vorstellen, ist eine Sammlung von Essays, die Sie überwiegend schon vor einiger Zeit verfasst hatten. Was war Anlass für Ihre jetzige Veröffentlichung?

 Jan Wagner

 Vor einigen Jahren war ja bereits eine Sammlung von Essays erschienen (Die Sandale des Propheten), ebenfalls mit dem Untertitel „Beilläufige Prosaund dieser, wie der unlängst publizierte, fasste all die Prosaarbeiten zusammen, die im Laufe der fünf vorangegangenen Jahre entstanden waren. Der Anlass war schlicht, dass genug Material sich in einer sinnvollen Weise zu einem stimmigen Gesamteindruck fügte.

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Auch diesen erste Essayband aus dem Jahre 2011 von Ihnen habe ich mit Ihrer Widmung bekommen und mit Freude gelesen.

Sie haben dieses Jahr auch schon einen chinesischen Preis erhalten, den Zhongkun International Poetry Prize der Universität Peking. Wie kam es dazu? Sind Ihre Gedichte in chinesischer Sprache erhältlich?

Jan Wagner
Es sind eine Reihe von Gedichten ins Chinesische von verschiedenen Übersetzerinnen und Übersetzern, u.a. von Mindy Zhang, Yang Lian übersetzt worden. Sie wurden wie schon beim Poetry International“ Lyrikfestival in Shanghai im letzten Jahr vorgetragen. Für den Preis, der von der Universität Peking an chinesische und internationale Lyriker verliehen wird, griff die Jury aber auf Übertragungen des jungen, sehr engagierten und mir bis dahin nicht bekannten Übersetzers Mingchao Mao zurück. Er schreibt derzeit seine Dissertation an der Humboldt Universität in Berlin.
Lyrikabend.de Dann sind Sie zurzeit ja quasi Nachbarn. Vielleicht ist Zeit für einen fachlichen Austausch.

Am 6. Dezember 2017 machen Sie gemeinsam mit Tristan Marquardt, der auch auf den Frankfurter Lyriktagen gelesen hat, eine Veranstaltung in Ihrer Heimatstadt Hamburg im Literaturhaus mit dem Titel „Unmögliche Liebe“. Was können wir uns darunter vorstellen?

Jan Wagner
Es handelt sich um die Präsentation einer Minnesang Anthologie, die wir gemeinsam für den Hanser Verlag zusammengestellt haben.
  Das Interview führte Stefanie Perner.

Der Dichter

Jan Wagner versucht nicht nur über Seife, er kann es!

Zum Glück werden seine Gedichte auch nicht weniger, sondern immer mehr.

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Gegenwartslyriker.

Für seine Gedichtbände ist er mit zahlreichen Preisen geehrt worden, zuletzt in 2017 mit dem Georg-Büchner-Preis.

Termine

Hier finden Sie alle Lesungen und Veranstaltungen mit Jan Wagner.